VIPERA
Unser Ziel ist es, der Kreuzotter in Mitteleuropa eine Zukunft zu geben und sie besser zu verstehen.
Dafür setzen wir vor allem auf die Vernetzung von Experten und Engagierten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, sowie der Schaffung eines Umfelds, in dem Wissen über diese einheimische Viper gesammelt und generiert wird.

Neuste Veröffentlichungen über die Kreuzotter
Kreuzotter-Gift: Identisch bei beiden Geschlechtern
Die Kreuzotter (Vipera berus) ist für ihren merklichen Geschlechtsdimorphismus bekannt. In anderen Giftschlangen, z.B. der Lanzenottern, geht ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus mit Unterschieden in der Giftzusammensetzung und -wirkung einher. Unser Mitglied Lennart Schulte ist in seiner Forschung der Frage nachgegangen, ob sich ähnliche Zusammenhänge zwischen den morphologischen Unterschieden und dem Gift männlicher und weiblicher Kreuzottern finden lassen. Mittels SDS-PAGE, RP-HPLC, Massenspektrometrie und verschiedener Bioassays wurden die Gifte beider Geschlechter verglichen.

Giftprofil adulter männlicher und weiblicher Kreuzottern entstanden durch Gelelektrophorese. Die dunkelblauen Banden zeigen die Giftbestandteile.
Die Ergebnisse, die im Paper „Comparison of proteomes and biofunctional properties of male and female common adder (Vipera berus) venoms“ veröffentlicht wurden, zeigen: Trotz der äußerlichen Unterschiede der Geschlechter ist ihr Gift nahezu identisch. Weder in der proteomischen Zusammensetzung noch in der Bioaktivität konnten deutliche Unterschiede festgestellt werden. Das deutet darauf hin, dass Männchen und Weibchen ähnlichen ökologischen Selektionsdrücken unterliegen, vermutlich basierend auf einem vergleichbaren Beutespektrum. Für die medizinische Praxis ist dieser Befund von Interesse, da er darauf hindeutet, dass Vergiftungssymptome sowie die Wirksamkeit von Antiveninen unabhängig vom Geschlecht der Schlange sind.

Enzymaktivitäten (A: Protease; B: Phospholipase) der Gifte von männlichen und weiblichen Kreuzottern.
Quelle:
Lennart Schulte, Miguel Engelhardt, Johanna Eichberg, Alfredo Cabrera-Orefice, Harry Wolfel, Maik Damm, Ignazio Avella, Benno Kreuels, Kornelia Hardes, Johannes A. Eble, Andreas Vilcinskas, Tim Lüddecke (2026): Comparison of proteomes and biofunctional properties of male and female common adder (Vipera berus) venoms - Biochimie, 244, 40–53. https://doi.org/10.1016/j.biochi.2026.01.018.
Hier verfügbar auf ResarchGate
Genetische Vielfalt der Kreuzotter in Baden-Württemberg unter Druck
Eine Studie von Schmid & Grünewald et al. (2025) hat erstmals umfassend die genetische Struktur von Kreuzotter-Populationen (Vipera berus) in Baden-Württemberg untersucht. Analysiert wurden 141 Individuen aus acht Standorten im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb.
Die Ergebnisse zeigen: Zwar ist die genetische Vielfalt grundsätzlich noch vorhanden, doch viele Tiere innerhalb einzelner Populationen sind eng miteinander verwandt. Das deutet auf begrenzten genetischen Austausch und potenzielle Inzucht hin – ein bekanntes Risiko für kleinere, isolierte Bestände.
Besonders deutlich wurde das in einem Untersuchungsgebiet, das durch eine Straße unterteilt ist: Hier fanden die Forschenden bereits innerhalb eines Standorts eine genetische Trennung.

Lage der Untersuchungsgebiete in Baden-Württemberg

(A) Gruppenzugehörigkeit (nach STRUCTURE, Farben) von beprobten Individuen der Standorte NP1, NP2 und NP3 (in Ost und Süd unterteilt) auf vereinfachter Karte mit Lage auf der jeweiligen Straßenseite (schwarze Linien).
(B) Geschwister Netzwerk der Individuen der NP3 Population. Halbgeschwister werden mit einfachen- und Geschwister mit doppelten Linien dargestellt. Farben entsprechen den Gruppenzugehörigkeiten aus STRUCTURE.
Auch zwischen den regionalen Populationen zeigte sich eine insgesamt hohe genetische Differenzierung – ein Hinweis auf eingeschränkten Austausch über größere Distanzen hinweg.
Die Studie macht deutlich, wie stark Landschaftszerschneidung – etwa durch Straßen, Siedlungen oder intensive Landnutzung – die genetische Durchmischung beeinflussen kann. Für den Erhalt der Art sind deshalb Maßnahmen zur besseren Vernetzung geeigneter Lebensräume von zentraler Bedeutung.
Quelle:
Schmid, P. L., J. Grünewald, M. I. Förschler, and E. M. Griebeler (2025): Substantial Genetic Differentiation Within and Between Populations of the European Adder (Vipera berus) in Baden-Württemberg, Germany. - Ecology and Evolution 15 (7): e71644. https://doi.org/10.1002/ece3.71644.
Hier verfügbar auf ResarchGate