Rückblick auf unsere VIPERA-Tagung in der
Ökologischen Station Gülpe
Vom 01. bis 03. August 2025
Alle Bilder der Tagung gibt es hier im internen Bereich zum Ansehen und Download!

Ein fester Bestandteil unseres kurzen Vereinsbestehens ist inzwischen die alljährliche Tagung in verschiedene Gebiete geworden, im Idealfall mit der Möglichkeit die Kreuzotter im Lebensraum zu sehen. Dabei lernen wir die verschiedensten Habitate kennen, die unsere Kreuzotter bewohnt, wir treffen die Lokalpatrioten, die sich für den Erhalt der Art einsetzen und erfahren, mit welchen Problemen sie kämpfen müssen und welche Erfolge sie erreichten.
Unsere diesjährige VIPERA-Tagung veranstalteten wir vom 1. bis 3. August ‘25 im Natur- und Sternenpark Westhavelland in Brandenburg.

Die Station am Gülper See war nicht nur unser Treffpunkt, Vortragsräumlichkeit und für viele auch der Ort an dem sie günstig nächtigen konnten, sondern vor allem auch Ausgangspunkt für unsere Exkursionen ins Umland von Rathenow.
Das Durchfahrtstor der Ökologischen Station Gülpe, es sollen zwei schnäbelnde Kraniche sein.
Bereits im Vorfeld zu unserer Tagung gab es Einiges zu organisieren, hier ist insbesondere dem Team um Norbert Schneeweiß von der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Artenschutz e.V., kurz Agena e.V., zu danken! Ohne den großen Einsatz von Norbert Schneeweiß, Sophie Schulz, Norbert Otte sowie Elisabeth Reimer und Jonathan Buhl wäre das alles gar nicht möglich gewesen.

Gekommen sind am Ende 22 begeisterte Kreuzotterlogen, denen auch der immer wiederkehrende Nieselregen wenig ausmachten konnte, denn auch die Kreuzottern mögen es durchaus mal feucht.


Elisabeth und Jonathan hatten groß eingekauft und kümmerten sich über den gesamten Zeitraum aufopfernd um uns: sie grillten, räumten alles her und räumten wieder auf, spülten das Geschirr und waren stets gut gelaunt. Bessere Gastgeber kann man sich nicht vorstellen!

Besonders freuten wir uns, dass die Naturparkleiterin Frau Katharina Bittmann extra gekommen war und den Naturpark Westhavelland mit ihrem Vortrag Wasser, Hügel und berühmte Flieger vorstellte. Hier erfuhren wir auch, dass die Gegend 2014 zum ersten Sternenpark Deutschlands ernannt wurde – Grund ist die sehr geringe Lichtverschmutzung durch umliegende Städte, Dörfer oder Industrie, so dass hier noch ein ungetrübter Blick auf den mitunter spektakulären Nachthimmel möglich ist.

Dr. Norbert Schneeweiß als Vertreter des Landes-amtes für Umwelt Brandenburg und Koordinator verschiedener Erhaltungs-programme, wie für die Europäische Sumpf-schildkröte, die Östliche Sma-ragdeidechse und eben die Kreuzotter, gab uns
mit seinem Einführungsvortrag den Überblick zur Situation der Kreuzotter in Brandenburg.
Er lenkte dabei unser Augenmerk insbesondere auf die Verbreitungsgeschichte der lokalen Kreuzotterpopulationen über den Lauf der Jahrhunderte und den notwendigen Schutz der Art.
Im Anschluss referierte Norbert Otte als versierter Kreuzotternschützer wie kaum ein anderer in Berlin und Brandenburg mit seinem Vortrag Lebensraum- und Populationsentwicklung von vier Kreuzottervorkommen von 2001 bis 2025 im Naturpark Westhavelland. Wir lauschten alle der großen Erfahrungen von Norbert, wohl kaum einer der Zuhörer kann eine so lange Zeit der Schutzmaßnahmen für die Kreuzotter vorweisen.
Der Abend klang aus in Diskussionen und Fachsimpelei – natürlich zum Thema Kreuzotter!
Tag 2 unserer Tagung begann zeitig: Elisabeth hatte schon im Vorfeld Brötchen und Brote geordert, die wir nur noch früh morgens abholen und in die Station bringen mussten, um dann am Samstag früh um 7.00 Uhr mit allen gemeinsam frühstücken zu können – Kaffee und Tee, sowie diverse Brotaufstriche – war alles schon angerichtet!
Um 8.00 Uhr sollte es schon losgehen mit den Exkursionen. Vorab verteilte Norbert Schneeweiß eine Karte und die Koordinaten der ausgewählten Exkursionsziele. Wir teilten uns auf ein paar Autos auf und fuhren, geführt von Norbert Schneeweiß, Norbert Otte und Sophie Schulz in ihre Gebiete, wo sie diese dann im Detail vorstellten. Unsere Exkursionsziele hatten

die interessanten Namen Butterlake, Riesenbruch, Rodewaldsche Luch, sowie Wiese N3 und Wiese N21 – die Habitate konnten fast nicht unterschiedlicher sein. Von richtigen Trockenlebensräumen auf sandigen Böden eines ehemaligen Truppenübungsplatzes, Flächen entlang einer Bahnlinie bis hin zu „Hochstaudenfluren“, bestanden mit Spätblühender Traubenkirsche und anderen z.T. invasiven Pflanzen, scheinen die einst großflächigen Moorgebiete heute kaum noch für Kreuzottern geeignet. Eins wurde klar: ohne die ständigen landschaftspflegerischen Einsätze – insbesondere von Norbert Otte, aber auch weiterer Akteure – wären die Kreuzotterbestände hier im Westhavelland wohl längst schon erloschen. Immer wieder auflichten, freischneiden und Totholzhaufen aufschichten im Wettlauf mit der schnell alles überwuchernden Vegetation. Kein Wunder, dass wir auch über das Thema Beweidung diskutierten – hier würden ein paar Wasserbüffel sicher gute Dienste tun. Vielleicht auch mal ein Thema über das wir uns in größerer Runde austauschen sollten.
Besonders schön war es, dass wir sogar die ein oder andere Kreuzotter beim Sonnenbad beobachten konnten. Und auch das Futter war da – wir fanden einen juvenilen Moorfrosch und immer wieder Zauneidechsen. An weiteren Vertretern der einheimischen Herpetofauna fanden wir Blindschleichen, eine Erdkröte und eine leider bereits überfahrene Ringelnatter.
Bild: Klaus Ehrlich

Bei den Gliedertieren waren die aufregendsten Funde eine Gottesanbeterin und die farbenprächtige Larven des Wolfsmilchschwärmers.
Wir erfuhren aber auch von weiteren Bedrohungen der Kreuzotter in Umfeld: so berichtete Norbert Schneeweiß von einer geplanten Ortsumgehung von Premnitz an der B 102, durch das Naturschutzgebiet Mögeliner Luch und mitten durch eines der letzten Kreuzottervorkommen in Brandenburg. Grund genug hier eine gemeinsame Pressenachricht dazu zu verfassen – siehe „Aktuelle Mitteilung“ auf der Internetseite von AGENA e.V..
Ein gemeinsames Mittagsessen am Samstag diente nicht nur der Stärkung mit regionalen Köstlichkeiten, sondern vor allem auch dem persönlichen und fachlichem Austausch.
In unserer ersten hybriden Mitgliederversammlung waren, leicht verspätet, neben den Berichten des Präsidiums, dem Kassenbericht und der Entlastung des Präsidiums auch der Beschluss der Satzungsänderung die Hauptthemen. Beschlossen haben wir auch die Möglichkeit, zukünftig rein virtuelle Mitgliederversammlungen abzuhalten.Der ursprünglich als Workshop angekündigte nächste Tagesordnungspunkt ging in eine angeregte Diskussion über, dabei wurden von den Mitgliedern zahlreiche Anregungen und Wünsche geäußert, die wir uns in den nächsten Wochen und Monaten ansehen und ggf. ausarbeiten werden.
Ein Ausflug an den Gülper See erlaubte uns die Bedeutung des Gebietes als Vogelzug-Hotspot zu erahnen – im Herbst rasten hier wohl tausende Gänse und Kraniche auf ihrem Zug in die Überwinterungsgebiete. Wir konnten neben zahlreichen Gänsen auch verschiedene Limikolen und Fischadler sowie einen Wiedehopf beobachten.

Nach dem Abendessen mit Leckereien vom Grill starteten wir in die nächste Vortragsrunde. Axel Schonert begann mit seinem Überblick Die Kreuzotter in Sachsen-Anhalt; Bestandsituation und Artenhilfs-programm. Beindruckende Landschaftsaufnahmen von vermeintlich zerstörten Waldflächen am Harz – welche aber aktuell eigentlich perfekte Kreuzotternhabitate sind.
Trotzdem hat auch Sachsen-Anhalt mit massiven Bestandseinbrüchen der Kreuzotter-Populationen zu kämpfen. Axel zitierte die bekannte Annette Westermann, die schon 2015 postulierte, dass sich der Bestand in vielen Gebieten bereits unterhalb der Mindestanzahl von reproduktionsfähigen Individuen befindet und somit zu klein für ein Fortbestehen der Art ist. Deshalb hat auch Sachsen-Anhalt sich zu dem Schritt eines Erhaltungszuchtprogramms entschieden und Axel gab uns dazu ein paar Einblicke in die Arbeiten. Nur wenige Tage später – am 07.08.25 – berichteten mehrere Fernsehsender, darüber, was an finanziellen Mitteln hinter dem Kreuzotterschutz stecken kann und dass die Politik wohl doch etwas tun kann: ein Beitrag von MDR-Sachsen-Anhalt und ein Artikel auf 'Du bist Halle'
Als letzter Vortrag referierte Sophie Schulz zur Situation der Kreuzotter im Riesenbruch und gab einen Interessanten Einblick in den Bestand in einem der wenigen übrigen Vorkommen in Brandenburg.
Wir haben eine Auswahl an weiteren Bildern der Tagung, insbesondere auch zu den Exkursionen, hier im internen Bereich für VIPERA-Mitgliedern zugänglich gemacht. Außerdem hat unser Mitglied Ralf Knapp bei der Tagung immer wieder mitgefilmt und daraus einen schönen Kurzfilm zusammengestellt. Diesen hat er für seine sehenswerten Reihe Knappi´s Artentour (www.ARTENFORUM.de) auf YouTube hochgeladen! Sehen könnt ihr ihn hier!
Bild: Klaus Ehrlich

Alle schönen Veranstaltungen haben mal ein Ende und so trennten wir uns am Sonntagmittag mit zahlreichen tollen Eindrücken von unseren Freunden in Brandenburg und machten uns auf den Rückweg nach Hause – aber nicht ohne noch einmal Danke zu sagen: allen die dabei waren und mitgeholfen haben, dass es überhaupt eine so schöne Tagung wurde. Allen die sich näher mit der Kreuzotter in Berlin und Brandenburg beschäftigen möchten, sei das Büchlein Die Kreuzotter in Berlin und Brandenburg, Verbreitungsgeschichte, Gefährdungssituation und Schutz von Norbert Schneeweiß et al. empfohlen. Bestellen könnt ihr es unter anderem hier!